Wiesn-Besucher berichten

Kurz & knackig: G'schichten um die Lederhosn

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Mei, is der liab! Der 14 Monate alte Flori Schuster aus Starnberg bei seinem ersten Wiesnbesuch. Das Zwergerl trägt ein Erbstück: Schon sein Papa hatte die hellgraue, windelweiche Lederhose als Kind getragen.

München - Egal ob speckig und mit reichlich Bier-Patina bedeckt oder nagelneu: Jede Lederhose hat eine Geschichte. Wir haben Wiesngänger gebeten, sie uns zu erzählen.

Für Flori Hälterlein aus Starnberg spricht seine Mama Monika – Flori ist erst 14 Monate alt. Das Zwergerl hat seine hellgraue, windelweiche Lederhose zum zweiten Mal an: „Er hat sie schon zum Maifest angezogen“, erzählt Monika Hälterlein. Auch wenn Flori gerade mal drei Käse hoch ist – seine Lederhose ist schon 38 Jahre alt: „So alt wie mein Mann“, erklärt Floris Mama. Es ist nämlich Papas Kinder-Lederhose, die Flori bei seinem ersten Wiesnbesuch ausführt. Oma hat sie die vergangenen Jahre säuberlich verwahrt, in der Hoffnung, eines Tages ein Enkerl zu bekommen. Wenn Flori rausgewachsen ist, geht die Hose an die Oma zurück – bis der nächste kleine Stammhalter das Licht der Welt erblickt: „Vielleicht kriegt meine Schwägerin noch ein Kind“, sagt Floris Mama.

Jörg Schmidts Lederhose hat längst noch nicht so viele Jahre auf dem Buckel wie die von Flori Hälterlein: „Ich habe sie mir zum 50. Geburtstag vor zwei Monaten selbst geschenkt“, erzählt der Rheinland-Pfälzer. Der gelernte Werkzeugmacher hat nicht irgendeine Lederhose an: „Das ist eine Werdenfelser Lederhose!“, betont Schmidt, der aus dem Westerwald stammt. Alle zwei Monaten machen er und seine Frau Urlaub in Garmisch. „Wir wollen bald nach Garmisch ziehen. Uns gefallen die Menschen, die Gegend und deshalb auch die Tracht“, erzählt der Rheinlandpfälzer. Zahlreiche Hosenträger hatte Schmidt zur Auswahl: „Ich habe mich für die mit der Edelweiß-Stickerei und dem bayerischern Wappen entschieden. Die sind typisch für das Werdenfelser Land.“

Bei Svetlana Maas fiel die Wahl auf ihre Lederhose ganz spontan. „Ich habe sie in einem Laden in der Nähe des Marienplatzes gesehen und mich sofort in sie verliebt“, sagt die Kasachin. „Ich freue mich schon darauf, sie zu Hause herzuzeigen.“ In ihrer Heimat betreibt sie mehrere Bars, dort will sie im Oktober ein eigenenes kleines Oktoberfest organisieren – „natürlich in traditioneller Kleidung“. Ihrer kleinen Tochter hat die 33-Jährige dafür schon ein Dirndl besorgt.

Ernst Neuber vertraut in Sachen Mode auf die Ratschläge seiner Gattin: „Die Hosenträger habe ich nicht dran, weil meine Frau findet, dass das lässiger ausschaut“, erzählt der Rentner aus Karlsfeld, der eine dunkelgraue, kurze Lederhose trägt. Seine Gattin war es auch, die ihm die Lederhose zum Geburtstag geschenkt hat: „Wir sind an einem Trachtenladen in Dachau vorbeigekommen und meine Frau hat gesagt: ,Schau mal, die ist doch schön. Wenn du sie willst, kriegst du sie’“, erzählt Neuber. Zirka 400 Euro hat sein bayrisches Beinkleid gekostet. Eine Investition, von der auch Neubers Sohn Andreas profitiert: „Er hat sie sich schon ein paar Mal ausgeliehen. Und ist schon ganz heiß drauf, sie zu erben.“

Auch Johannes Weidl hat seine Lederhosen von einer Frau geschenkt bekommen: „Ich war auf einer Hochzeit eingeladen und wollte in Lederhose hingehen. Aber meine alte hat nicht mehr gepasst. Das hab’ ich dann meiner Mutter erklärt, bis sie eingesehen hat, dass ich eine Neue brauche“, erzählt der 22-jährige Student. Er hat sich für eine Kniebund-Hose entschieden: „Die kann ich bei jedem Wetter anziehen. Wenn ’s kalt ist, ziehe ich die Strümpfe bis zum Knie. Dann ist das wie eine lange Hose“, erklärt der Stockdorfer.

Eines war für Tobias Bleicher klar: „Es musste eine kurze Lederhose sein.“ Nicht, dass dem 35-Jährigen die längeren nicht gefielen – „Ich bin einfach zu groß, da sieht das nicht gut aus.“ In einem Trachtengeschäft in der Münchner Innenstadt kam er dann zu seinem Schmuckstück. „Sie haben mir gesagt, dass die 120 Jahre alt und vom Tegernsee sei“, erzählt der Architekt. „Ich habe mich aber für sie entschieden, weil es die einzige war, die gepasst hat. Außerdem ist sie auch noch schön.“ Zwei Wochen vor Wiesnbeginn ist der Münchner dann schon einmal in seine Lederhose geschlüpft – „und sie hat gepasst“.

Mit Leder und Tracht hat das, was Ger Helderman trägt, nichts zu tun. Zehn Euro hat der Holländer für seine „Lederhose“ ausgegeben – im Kostümverleih. Dort bekommt man sie aber nicht nur zur Wiesnzeit. „Die ist eigentlich für Karneval“, meint der 35-Jährige.

Bettina Stuhlweissenburg und Andrea Steiler

Quelle: Oktoberfest live