Wiesn-Klassiker: Sierra Madre

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Die Schürzenjäger aus Tirol

München - Der Verfasser der Zeilen gibt zu: Er hat bisher nie so recht gewusst, was er da eigentlich singt. Sierra Madre, okay, das schon. Und dann dieses „Su“ oder so. Hier gibt‘s den Text zum Mitsingen.

Sierra Madre - das ist der Liedtext

Wenn der Morgen kommt Und die letzten Schatten vergeh’n,
Schau’n die Menschen der Sierra hinauf Zu den sonnigen Höh’n.
Schau’n hinauf,
Wo der weiße Kondor so einsam zieht,
Wie ein Gruß an die Sonne

Erklingt ihr altes Lied:

Refrain: Sierra, Sierra Madre del Sur,
Sierra, Sierra Madre, oh, oh,
Sierra, Sierra Madre del Sur,
Sierra, Sierra Madre.

Wenn die Arbeit getan
Und der Abendfrieden beginnt,
Schau’n die Menschen hinauf,
Wo die Sierra im Abendrot brennt.
Und sie denken daran,
Wie schnell ein Glück oft vergeht,
Und aus tausend Herzen
Erklingt es wie ein Gebet.

Refrain: Sierra, Sierra Madre del Sur …

Sierra Madre - die Mutter der Gebirge

Jetzt, das erste Mal den Text vor sich, stellt er erstaunt fest: Die Zillertaler Schürzenjäger (die sich ab 1997 nur noch Schürzenjäger nannten) singen da anscheinend gleich zwei Silben rein. „Del Sur“. Aha. Und was bedeutet das? Der Verfasser gibt ebenfalls zu, in der siebten Klasse im Jahreszeugnis eine Erdkunde-5 kassiert zu haben. Jetzt aber weiß er, worüber das Lied handelt. Sierra Madre heißt auf Spanisch so viel wie die „Mutter der Gebirge“. Die Sierra Madre del Sur ist ein Gebirgszug im Süden Mexikos, über 1000 Kilometer lang. Die höchste Erhebung hat er im Zentrum von Guerrero mit stattlichen 3703 Metern.

Die Sierra Madre liegt in Mexiko.

Die Region ist berühmt für ihre große Artenvielfalt. Trotzdem erstaunlich, dass es eine der einst kommerziell erfolgreichsten Musikgruppen aus dem Alpenland ausgerechnet ins ferne Mexiko verschlägt. Des Rätsels Lösung ist ziemlich leicht: Es handelt sich um eine Coverversion von Ronnys Sierra Madre del Sur, das er 1970 eingespielt hat – allerdings mit mäßigem Erfolg.

Der gute Mann, bürgerlich Wolfgang Roloff, wurde 1930 in Bremen geboren (auch ein Stück weg von Mexiko) und ist seit den 60ern Schlagersänger, Komponist und Produzent – etwa von Heintje in dessen Kindertagen. Ronny war offenbar seiner Zeit voraus bei seiner Mexiko-Hochland-Hymne, die Zillertaler Schürzenjäger hingegen feierten mit Sierra Madre 1987 ihren ersten großen Hit. Gegründet hat sich das Tiroler Trio 1973, die Gründungsmitglieder waren Peter Steinlech­ner (Gitarre, Gesang), Alfred Eberharter (Bass, Steirische) und Willi Kröll (Gesang, Gitarre).

Wer Erfolg hat, expandiert, und so umfasste die letzte Besetzung vor der Auflösung 2007 fünf Musiker – Steinlechner und Eberharter waren noch dabei. Die Sierra der Zillertaler ist eines jener Wiesn-Hit-Beispiele, bei dem so gut wie niemand die Strophen singen kann – weder melodisch noch textlich. Aber dann: Wenn das Lied, das nur ganz weiche Gemüter nicht als Edelkitsch bezeichnen, in seinen Refrain mündet, dann gibt’s kein Halten mehr: Da grölt, singt, schluchzt jeder mit. Kein Wunder, dass der Song gerne als ultimativer Abschluss der Wiesn gespielt wird. Ist ja auch zu gefühlig. Und textsicher ist dann sowieso so gut wie niemand mehr.

M.B.

Quelle: Oktoberfest live