Bilder erstmals zu sehen

So stellte das BKA das Wiesn-Attentat nach

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In Fürstenfeldbruck wurde mit Puppen die Explosion der Bombe nachgestellt.

München - Über 30 Jahre nach dem Attentat auf das Münchner Oktoberfest am 26. September 1980 werden nicht nur die Ermittlungen wieder aufgenommen. Auch neu aufgetauchte Bilder zeigen, dass das BKA bereits 1981 die Tat nachstellte.

Eine neue Zeugin liefert bahnbrechend neue Hinweise, die eines klarmachen: Die These, dass ein Einzelner, nämlich der Rechtsextreme Gundolf Köhler, die Tat verübt habe, ist endgültig nicht mehr haltbar. Die Zeugin, eine Krankenschwester aus Hannover, berichtet, dass sie 1980 in einem Krankenhaus einen Mann mit einer offenkundig durch Sprengstoff abgerissenen Hand gepflegt habe. Er verhielt sich merkwürdig, wollte nicht sagen, woher seine Verletzung rühre, – weil er ein Mittäter war? Die Vermutung liegt nahe. Zur Erinnerung: Die abgerissene Hand ist vor Jahren verschwunden, die Suche nach der zugehörigen Person schien unmöglich. Jetzt kommt wieder Bewegung in die Geschichte.

Wiesn-Attentat: So stellte das BKA den Anschlag nach

Wiesn-Attentat: So stellte das BKA den Anschlag nach

Zu verdanken ist das dem Reporter Ulrich Chaussy und dem Regisseur Daniel Harrich, die nicht nur den Spielfilm Der blinde Fleck, sondern auch die Dokumentation Attentäter – Einzeltäter? zusammen gedreht haben, die am Mittwoch im Ersten lief. Darin zu sehen auch Bilder aus den Akten des BKA, die zeigen, wie das BKA und die SOKO Theresienwiese 1981 in Fürstenfeldbruck mit Puppen das Attentat nachstellten. Man wollte Aussagen von Zeugen überprüfen, die etwa gesehen hatten, wie sich Gundolf Köhler regelrecht über einen Mülleimer gebeugt und darin eine Tüte deponiert hatte. Anhand der „Verletzungen“ an der Puppe – die mit den echten Verwundungen von Köhler verglichen wurden – konnte man nachvollziehen, ob die Darstellung der Zeugen plausibel war oder nicht.

Die Bundesanwaltschaft erklärte am Mittwoch, sie werde „allen Ansatzpunkten zur Aufklärung der Hintergründe erneut und umfassend nachgehen“.

Er überlebte den Anschlag

Alexander Sasse war selbst verletzt.

Alexander Sasse war sechs Jahre alt, als er im September 1980 mit seinen Eltern das Oktoberfest besuchte und einen fröhlichen Ausflug unternehmen wollte. Doch dann wurde er als kleiner Bub Zeuge des schwersten Attentats in der Geschichte der BRD. „Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag“, sagt der Münchner, der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist. „Es gab einen Blitz, einen unfassbar lauten Knall, es roch nach verbrannten Haaren und alles war in rotes Licht getaucht. Ich lag blutend auf dem Boden, um mich herum Verletzte und Tote.“ Sein Vater erlitt damals schwere innere Verletzungen, seine Mutter verlor ein Bein. Überlebt haben beide. Dass die Ermittlungen zum Attentat nun wieder aufgenommen werden, dass eine neue Zeugin aufgetaucht ist, freut Alexander Sasse, wie er der tz sagt. „Es ist gut, dass die These, dass Gundolf Köhler der alleinige Täter ist, stark ins Wanken kommt“, sagt er. „Ich habe auch lange die offizielle Version geglaubt und bin durch die Recherchen von Ulrich Chaussy auf die vielen Ungereimtheiten aufmerksam gemacht worden.“

Allerdings sind Sasses Hoffnungen, dass der Anschlag jetzt komplett aufgeklärt wird, die Hintermänner oder Mittäter eventuell sogar gefasst werden, eher „moderat“, wie er sagt. „Die Zeugin, die nun aufgetaucht ist, kann die Ermittlungen vielleicht einen kleinen Schritt weiterbringen“, sagt er. „Aber es ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten so viel verschwunden, so viel vertuscht worden, dass ich mir nur schwer vorstellen kann, dass die Geschehnisse vom September 1980 vollständig aufgeklärt werden.“

thy

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