Anlaufstelle verzeichnet Zuwachs

Mehr Frauen suchen  Hilfe bei "Sichere Wiesn"

München - Die Anlaufstelle "Sichere Wiesn" hat immer größeren Zulauf. In der ersten Wiesn-Woche haben hier schon fast 30 Prozent mehr Frauen als im vergangenen Jahr Hilfe gesucht.

Eigentlich wollen sie nur fröhlich auf dem Oktoberfest feiern, ein bisschen Bier trinken, ein bisschen tanzen. Wenn dann aber plötzlich ein Unbekannter zudringlich wird, an den Busen oder zwischen die Beine langt, ist der Spaß vorbei. Auf Volksfesten wie dem Oktoberfest "kommt es manchmal zu Situationen, wo der Spaß endet", weiß Kristina Gottlöber, die die Aktion "Sichere Wiesn" mitverantwortet. Bei dieser Anlaufstelle finden Frauen und Mädchen in Notsituationen direkt auf der Theresienwiese Hilfe.

Wie wichtig die Anlaufstelle mittlerweile geworden ist, zeigt die Bilanz nach der ersten Wiesn-Woche. In diesem Jahr ist der Zulauf noch größer geworden. 106 Frauen und Mädchen haben hier bislang Hilfe gesucht. Das sind 27 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. In den meisten Fällen befinden sich die Frauen gerade in einer persönlichen Krise. Sie haben nach einem Streit ihren Freund verloren, ihnen wurde die Handtasche oder Handy geklaut und sie wissen nun nicht mehr, wie sie nach Hause kommen sollen. Die Mitarbeiter der "Sicheren Wiesn" helfen, wo sie können. Ihr Ziel: den Frauen helfen, sicher nach Hause zu kommen. Dafür gibt es sogar eine Kooperation mit dem Taxi-Unternehmen Isarfunk.

Doch natürlich zählen auch sexuelle Übergriffe zu den Situationen, in denen die Mitarbeiterinnen helfen. In drei Fällen von sexueller Grenzverletzung haben in der ersten Wiesn-Woche Frauen und Mädchen die Anlaufstelle aufgesucht. In vier weiteren Fällen hatten die Mitarbeiterinnen von "Sichere Wiesn" den Verdacht, dass den Frauen K.-O.-Tropfen verabreicht worden ist. Auf Wunsch kann dann eine Blut- und Urinuntersuchung veranlasst und die Tat zur Anzeige gebracht werden.

Doch tatsächlich ist wohl von einer viel höheren Anzahl von Übergriffen auszugehen, so Alexandra Stigger vom Frauennotruf München, die ebenfalls bei der Aktion "Sichere Wiesn" mitarbeitet. Die Schamgrenze, sich nach solchen Taten jemanden anzuvertrauen, sei sehr hoch. Oftmals fühlten sich die Frauen schuldig, weil sie etwa ein kurzes Kleid getragen hätten. "Das sind sie aber nicht", so Alexandra Stigger. "Die Verantwortung liegt ganz allein beim Täter."

Dass sich jetzt immer mehr Frauen auf dem Oktoberfest an die "Sichere Wiesn" wenden, heiße aber nicht, dass die Zahl der Übergriffe ansteige, sondern vielmehr, dass die Anlaufstelle immer bekannter werde. Als Tipps für einen fröhlichen und gleichzeitig sicheren Abend auf dem Oktoberfest geben die Expertinnen mit auf den Weg:

- Nicht auf dem Oktoberfestgelände schlafen.

- Nicht aus fremden Krügen trinken.

- Den Akku des Handys vor dem Oktoberfestbesuch aufladen.

- Augen und Ohren offen halten und Zivilcourage zeigen, wenn eine Frau oder ein Mädchen von einem Mann bedrängt wird.

lot

Rubriklistenbild: © dpa

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