Steilwand, Rotor & Co.

Die Fliehkraftprobe: Unsere Reporterin wagt den Selbsttest auf der Wiesn

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Immer noch wackelige Beine bleiben vom Steilwand-Abenteuer (o.). Am Lenker festhalten: absolut verboten! 

Alles, was sich wild dreht: Unsere Redakteurin spottete jeder Gefahr und fuhr hintereinander Steilwand, Rotor, Teufelsrad – und Krinoline. 

München - Auf der Wiesn geht’s nicht nur in den neuen Fahrgeschäften und schrillen Loopings rund – auch die Klassiker haben es in sich: Rotor, Krinoline und Teufelsrad leben vom Drehmoment (nun ja, die Krinoline nur ein kleines bisschen). Ausnahmsweise durften wir sogar auf der Steilwand mitfahren und auf dem Motorrad des wild tätowierten „Motodrom“-Chefs Christian „Donald“ Ganslmeier schwindelerregende Runden drehen. Wo der Drehwurm-Faktor am heftigsten ist, können Sie hier lesen.

Die Krinoline

Es beginnt harmlos: Mit der Krinoline, die heuer gleich beim Riesenrad auf dem Oktoberfest steht. Doch es lauert eine unterschwellige Gefahr: die Abwechslung zwischen Drehen und Schwanken. „Die mag nicht jeder Magen“, erklärt Betreiber Matthias Niederländer (46). Die Reporterin schockt das nur wenig: Sie ist nebenberufliche Krinolinen-Dauerfahrerin.

1924 lautet das Baujahr des Traditionsfahrgeschäfts, mit der Zeit wurden immer wieder Bauteile erneuert. Einst per Manneskraft zum Schwanken gebracht, erledigt das heute ein Motor bei der Krinoline. Stolze fünf Umdrehungen pro Minute schafft die Schunkel-Königin der Wiesn. Blasmusik ab – und los geht’s. Eine Runde um die andere schaukelt sich die Krinoline voran. Das gefällt auch den beiden lustigen Mitfahrern aus Flensburg. 

Fazit: Schwindelerlebnis wie im Drehrestaurant im Olympiaturm. Der Magen ist noch fröhlich, die Reporterin schöpft Mut.

Harmlos trotz Magen-Aufund-Ab: die Krinoline.

Das Teufelsrad

Als Zuschauerin schadenfroh am Teufelsrad stehen: unbezahlbar. Wer selbst mitfahren mag, braucht freilich Leidensfähigkeit. „Jeder ist ein theoretisches Opfer des Rekommandeurs“, erklärt Wiggerl Kugler (38). Der Ansager kommentiert alles, was auf der sich drehenden Platte passiert, herrlich bairisch-böse. Auch so mancher Unbeteiligter kassiert einen Kommentar. Seit dem Jahr 1910 gibt es „Feldl’s Teufelsrad“ auf der Wiesn – und auch nur dort.

25 Umdrehungen pro Minute schafft das Teufelsrad. Eine gute Ausgangsposition ganz in der Mitte ergattert die Reporterin noch. Doch dann wird sie von einem gegnerischen, knochigen Hinterteil unsanft wegbugsiert. Ein paar Runden kann sie sich auf der Platte notdürftig festkrallen. Aber dann doch: der Abflug. Weh tut das, wenn, nur der Seele. Sonst ist der Abgang recht sanft, um die Platte herum sind lauter schließlich Polster. 

Fazit: Das Teufelsrad sieht wilder aus, als es ist. Der Schwindel-Faktor: erträglich.

Auf Platz zwei der Schwindel-Skala landet das Teufelsrad. Hier hatte die Reporterin eine gute Ausgangsposition, aber dann doch zu wenig Sitzfleisch.

Der Rotor

Das nächste Drehmoment wartet schon: der Rotor. Das bedeutet: An der Wand kleben wie ein Kaugummi an der Bierbank. Denn durch die Fliehkraft wird man hier an die Innenwand einer großen, sich drehenden Trommel gedrückt – auch wenn sich plötzlich der Boden unter den Füßen absenkt. Auf den ersten Blick nur bedingt verlockend, aber es hilft ja nix. Und los. Mehr als 60 Jahre gibt es den Rotor schon. 28 Umdrehungen in der Minute machen die Wiesn-Besucher hier schwindelig. „Die meisten Gäste kommen heil raus“, sagt Betreiberin Sandra Pluschies (43) und lacht.

Galgenhumor auch bei der Reporterin. Beim Rein- und Rausgehen das Dirndl festhalten, so viel hat Pluschies ihr noch mitgegeben. In der Trommel angekommen, bazt es einen sofort an die Wand. Merke: Wer nervös zappelt, rutscht immer weiter nach unten. Das wirkt nur bedingt lässig. Die Mitfahrer schweben ein paar Etagen höher. 

Fazit: Mittlere Eskalation auf der Schwindelskala, wie ein sorgfältig geschüttelter Piña Colada.

Erster Schwindel-Anfall erfolgte im Rotor. Merke: Wer zappelt, rutscht nach unten.

Die Steilwand

Auf seinem Motorrad prangt „Captain Donald“ – und ein Totenkopf. Steilwand-Fahrer Christian „Donald“ Ganslmeier (42), zurückgegelte Haare, weißes Hemd, ist ein wilder Hund. Die Reporterin dagegen steht eher kleinlaut im Motodrom. Aber jetzt die Arena doch noch zu verlassen, wäre peinlich. Dann soll sie auf dem Lenkrad seiner Maschine Platz nehmen. „Lang mir ja nicht rein – sonst haut es uns hin“, ist seine erste Anweisung. Nirgendwo festhalten, die Hände auf die Knie. „Schau nur zu den Zuschauern, sonst wird dir schlecht.“ Gegen die wackeligen Knie gibt’s ein Pfefferminz-Bonbon. Ganslmeier bittet die zahlreichen Zuschauer für gewöhnlich erst einmal um Spenden für seine Fahrer. Das Steilwandfahren sei so gefährlich – da wolle sie keiner versichern.

Sehr aufmunternd. Jetzt wird es ernst. Das Publikum johlt. Die Reporterin lehnt den Oberkörper gegen Ganslmeier. Und dann fährt der wilde Donald in die Wand. Die Gesichter der Zuschauer fliegen vorbei. Eine Runde dauert drei Sekunden. Die Zeit rast, einfach alles rast. Die Erinnerung setzt erst wieder ein, als das Motorrad stehen bleibt. Jubel im Publikum! 

Fazit: Mehr Drehwurm geht nicht.

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