Vorschlag von Wirtesprecher und OB Reiter

Wirte verstecken das Familiengetränk

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Im Marstall gibt es das Familiengetränk, doch bei den meisten anderen Zelten suchen Gäste es vergebens auf der Karte.

Keine Deckelung beim Bierpreis, dafür ein günstiges Getränk für Jedermann – das war der Deal zwischen Stadt und Wirten vor Beginn des Oktoberfests. Doch in den meisten Zelten sucht man das Familiengetränk auf der Karte vergebens.

München - Nach der abgeschmetterten Bierpreisbremse sollte es eigentlich die Wogen glätten: Die Idee eines „Familiengetränks“, die Wiesn-Wirtesprecher Toni Roiderer (Hackerzelt) nach einem Telefonat mit Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) Mitte Juni präsentierte. Für 3,50 Euro sollte in jedem der großen Oktoberfestzelte ein halber Liter alkoholfreies Getränk für die Gäste zu haben sein. Denn die Wiesn müsse bezahlbar bleiben, waren sich die beiden Verhandlungspartner einig. Schon bald zeichnete sich aber ab, dass nicht alle Wirte bei der Familiengetränk-Idee mitziehen. Und auch jetzt kurz nach dem Start geben die Zelte kein einheitliches Bild ab.

Ein auf der Speisenkarte – nach der sich sich die meisten Gäste richten – explizit ausgewiesenes Familiengetränk gibt es nur in zwei Zelten: In Toni Roiderers Hackerzelt und in Siegfried Ables Marstall-Festzelt. Drei weitere Zelte (Schottenhamel, Käfer Wiesn-Schänke, Festzelt Tradition) haben 0,5-Liter-Getränke für 3,50 Euro auf der Karte, die aber nicht als Familiengetränk gekennzeichnet sind.

Ein Großteil der großen Wiesnzelte hat den Begriff des Familiengetränks sehr frei interpretiert. „Ein Kindergetränk halt“, antwortet etwa eine Bedienung im Löwenbräuzelt auf die Frage nach dem Familiengetränk. In vielen Zelten gibt’s für 3,50 Euro kein Familiengetränk für Jedermann, sondern eben ein „Kindergetränk“ für kleine Gäste. In einigen Zelten steht die Limo sogar auf einer gesonderten Kinderkarte, die der Gast nur auf Nachfrage bekommt.

Schausteller-Präsident: Familienfreundlichkeit für Zukunft entscheidend

Eine weitere Gruppe von Wirten wiederum verkauft das Familiengetränk an Limoständen in den Zelten, Hinweise auf den Speisenkarten fehlen. Ein Grund sei, dass in einigen Zelten die Sparten schon vor Roiderers Vorschlag gedruckt gewesen seien, heißt es. An den Limoständen ist die Nachfrage nach den Getränken jedoch nicht groß. „Wir haben schon einen Haufen Limo bestellt“, sagt ein Verkäufer. „Aber es fragt halt keiner danach.“

Wirtesprecher Toni Roiderer sieht sein Familiengetränk dennoch als Erfolg. Und wenn einer eben nur ein Kindergetränk für 3,50 Euro anbiete, sei das auch nicht weiter schlimm. Roiderer: „Wenn ich das als Erwachsener bestellen mag, krieg ich das ja auch.“ Er habe seinen Kollegen einen Vorschlag gemacht, aber er könne ihnen nicht vorschreiben, was sie machen. „Ich bin ja kein Diktator!“ Am Ende reguliere sich der Markt ohnehin selbst – wenn es den Gästen zu teuer werde, kämen sie nicht mehr. „Das spüren wir Wirte sehr schnell.“

Die Wiesn: Ein teures Fest für Firmenkunden – oder noch für die Münchner? Am Wochenende besuchte der Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, Albert Ritter, das Oktoberfest. Der 64-Jährige ist sich sicher: Um die Zukunft der Wiesn als bayerisches Fest zu sichern, ist Familienfreundlichkeit entscheidend. „Studienergebnisse belegen, dass die meisten Menschen ein Volksfest besuchen, weil sie mit ihren Eltern schon dort waren.“ Deswegen sei vor allem eines wichtig: „volkstümliche Preise“ anzubieten.

Lesen Sie auch: Wirte heben Preise auf dem Oktoberfest kräftig an

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