16 Tage Wiesn-Fieber

Oktoberfest 2018: Das sind die extremsten Stammgäste der Wiesn

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Am Samstag beginnen 16 Tage Wiesn-Wahnsinn in München.

Über 100.000 Besucher werden jeden Tag auf dem Oktoberfest erwartet, manche von ihnen besuchen die Wiesn sogar häufiger. Wir stellen Ihnen die extremsten Fans 2018 vor. 

München - Für die meisten Besucher ist die Wiesn reines Privatvergnügen. Die tz hat nun in München und dem Umland für Sie nach extremen Oktoberfest-Fans gesucht. Menschen, die nicht nur einmal pro Jahr auf die Wiesn gehen - sondern teilweise jeden Tag. 

So wie der Martinsrieder Tony Harris (49), der mittlerweile schon zum Inventar des Löwenbräuzelts gehört, wie er selbst sagt. Der Martinsrieder hilft teilweise sogar beim Abräumen mit. Oder der Münchner Armin Jumel (48), der quasi seit seiner Geburt in der Schottenhamel Festhalle zuhause ist. Das Teufelsrad so gut wie kaum jemand anderes kennt Julia Schlaf. Nach der Schule hieß es für die 20-Jährige jahrelang: die Konkurrenz auf der sich drehenden Platte das Fürchten lehren! Der 501. Wiesn-Besuch steht am Samstag für Fritz Eichinger aus Taufkirchen an - eine Reservierung hatte er noch nie.

Armin Jurmel fühlt sich auf dem Oktoberfest daheim, fast wie im Wohnzimmer

Armin Jumel (48) ist auf der Wiesn daheim. Das Bierzelt ist während der Festzeit sein Wohnzimmer. 16 Tage, von früh bis spät. Das bunte Treiben auf dem Gelände: „Schöner als jedes Fernsehprogramm.“ Seit 59 Jahren hat die Familie Jumel einen Tisch in der Schottenhamel Festhalle gepachtet, mitten im Mittelschiff, dem Ort, an dem das Leben pulsiert. Wo sich heute Bierbank an Bierbank reiht, standen früher lediglich ein paar Klappstühle, „damit die Bedienungen am Abend gscheit rausputzen konnten“, erinnert sich der Münchner. 

Armin Jumel bekommt von der Bedienung Laura 2013 auf dem Oktoberfest  im Schottenhamel Festzelt ein Bier serviert.

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Seit seinem ersten Wiesnbesuch vor 49 Jahren im Bauch seiner Mutter hat sich das Fest „ganz schön verändert“. Gleich geblieben sei allerdings die Energie, die das Fest Jahr für Jahr versprüht. „Es gibt auf der ganzen Welt keinen vergleichbaren Ort“, schwärmt Jumel, „nirgendwo anders sind die Menschen so glücklich.“ Vom kleinen Stopsel, der mit einem Lebkuchenherzerl um den Hals über die Theresienwiese rennt, bis hin zum Senior, der mit seinen Spezln über vergangene Zeiten lacht. Am Familientisch der Jumels schauen jeden Tag bis zu 40 Personen vorbei. Kinder, Kollegen, Freunde und Bekannte aus der ganzen Welt. „Das ist das Schöne an der Wiesn“, sagt Jumel, „im Bierzelt trifft man Leute, die man zum Teil seit Jahren nicht mehr gesehen hat.“

Eine Familie im Wiesn-Fieber: Bernhard Link genießt das Oktoberfest mit seiner Frau und Kindern

Kennengelernt hat Bernhard Link (58) das Oktoberfest über seinen Beruf: bis 2013 war der gebürtige Augsburger Vorstand der Münchner Bank, ging mit seinen Mitarbeitern und Kunden auf die Wiesn. „Das war Pflicht und Kür“, erzählt er. Doch die Kür muss irgendwie überwogen haben. Bis heute hat ihn das Wiesn-Fieber nicht losgelassen. Immer noch gibt es viele berufliche Termine für den jetzigen Projektentwickler. 

Doch besonders mit seiner Familie bummelt Link gerne über die Theresienwiese. Seine beiden kleinen Jungs Maxi (12) und Christoph (8) lieben es,  Karussell, Autoscooter oder Achterbahn zu fahren. Und der Papa und große Halb-Bruder Michi (28) sind für jeden Spaß zu haben. „Wir fahren auch Achterbahn mit“, sagt Link. Mit Bernhard Links Frau und Mama der kleinen Buben Karina (47) kehrt der Männer-Trupp gerne auf eine Brotzeit im Käfer-, Schottenhamel-, Marstall- oder Augustinerzelt ein. „Wegen uns muss es nicht so wild zugehen“, so Link. 

Die beiden Jungs Maxi (12) und Christoph Link (8) lieben es,  Karussell, Autoscooter oder Achterbahn zu fahren.

Schade findet der Wiesn-Fan, dass es für spontane Besucher immer schwer ist, einen Platz zu finden. Am Oktoberfest mag er, dass Jung und Alt gemeinsam feiern. „Die Wiesn ist eine Werbung für München, Bayern und ein schönes Leben generell“, sagt er. Das sei in einer Zeit, in der Negatives in der täglichen Wahrnehmung oft dominiere, doch etwas ganz Wunderbares.

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Zweite Heimat Teufelsrad: Julia Schlaf liebt die Wiesn 

Sie ist eine junge Frau. Doch Julia Schlaf (20) hat schon einige Wiesn-Besucher das Fürchten gelehrt. Und das an einem Ort, an dem so mancher selbsternannte Held schon zur Lachnummer wurde: im Teufelsrad. Als die Tourismus-Management-Studentin noch aufs Dante-Gymnasium in Sendling gegangen ist, war für sie jeden Tag nach der Schule eines klar: gleich ab auf die Theresienwiese. Dort zog es sie in jenes Traditionsfahrgeschäft, in dem Wagemutige versuchen, sich auf einer sich drehenden Platte am längsten zu halten.

Herrlich böse kommentiert vom jeweiligen „Rekommandeur“ und von den Zuschauern schadenfroh beobachtet. Fast immer die Letzte auf der Scheibe im Teufelsrad und damit die Gewinnerin: Julia Schlaf. Ihre Tipps: „Schnell auf die Mitte der Platte zu kommen, ist wichtig.“ Und weiter: „Nicht von den anderen wegschieben lassen.“ Wer sich als Siegerin feiern lassen möchte, sollte außerdem möglichst keine Tracht tragen. Sonst ist frau zu sehr damit beschäftigt, den Dirndlrock unter Kontrolle zu halten.

Julia Schlaf (20) hat schon einige Wiesn-Besucher das Fürchten gelehrt.

 „Und ich bin immer barfuß auf die Platte, da konnte ich mich besser halten.“ Auch heute schaut Julia Schlaf noch regelmäßig in ihr Teufelsrad, lässt es aber allgemein ruhiger angehen. „Ich gehe nicht weniger oft aufs Oktoberfest, aber entspannter.“ Auf zwölf Besuche pro Wiesn ist die Studentin die letzten Jahre immer gut gekommen. Und wenn Julia nicht im Teufelsrad anzutreffen ist, dann sind ihre Favoriten das Hacker- und Schottenhamelzelt.

Wiesn-Fieber: Tony Harris verbringt hochgerechnet ca. ein Jahr auf dem Oktoberfest

Mehr als ein Jahr seines Lebens hat Tony Harris (49) prostend und schunkelnd verbracht. Hochgerechnet, freilich. Von 25 Oktoberfesten hat der Martinsrieder (Lkr. München) nur eine Handvoll Tage verpasst. Hochgerechnet auf 16 Tage Minimal-Dauer ergeben sich rund 400 Wiesn-Besuche. Mit seiner Lederhose, dem schlichten Janker und dem Hut mit Saubart ist Harris ein beliebtes Foto-Motiv im Löwenbräuzelt. 

Ein Urbayer, glauben viele Touristen. Und weil Harris für einen Spaß zu haben ist, erzählt er den Besuchern auf Nachfrage, er stamme aus einem kleinen niederbayerischen Dorf namens „Eiowa“. „Das nehmen mir die Leute eigentlich immer ab“, sagt Harris und lacht. Nach einer Zeit löst er es aber doch auf. Harris kommt aus dem Bundesstaat Iowa im Mittleren Westen der USA.

Der Martinsrieder Tony Harris (r.) gemeinsam mit Stammtisch-Chef Friedl Precklein.

Der Arbeit wegen zog Harris vor 24 Jahren nach München. „Meine Kollegen haben gesagt: Du musst unbedingt aufs Oktoberfest gehen.“ Also macht sich Tony Harris auf, alleine. Am ersten Tag saß er im Schottenhamel-Biergarten. Am zweiten ging es durch die Wiesn-Zelte: Im Löwenbräuzelt durfte er sich an einen Tisch setzen: „Friedls Tisch“, ein Stammtisch. Der junge Amerikaner durfte auch die nächsten Tage wiederkommen. Seine neuen Freunde nahmen Harris unter dem Jahr mit in den Biergarten oder zum Skifahren.

„Durch die Wiesn hatte ich Anschluss  und beschloss hier zu bleiben.“  In München lernte Harris seine Frau Sandra (49) kennen, das Paar bekam die Kinder Julia (9) und Henry (6). Sandra ist selbst großer Wiesn-Fan, deswegen ist es für sie okay, wenn Tony jeden Abend ins Löwenbräuzelt pilgert. Dort hilft Harris der Bedienung schon mal die Massen zu schleppen oder das schmutzige Geschirr abzuräumen. „Ich gehöre halt zum Inventar“, sagt er. Einen Abend werden Tony Harris und seine Frau heuer auf jeden Fall gemeinsam auf die Wiesn gehen. Am 25. September: Dann wird er 50 Jahre alt.

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Oktoberfest-Liebe: 500 Wiesn-Besuche für Fritz Eichinger

Fritz Eichinger ist ein waschechter Wiesn-Fan. Im vergangenen Jahr hat der Mann mit dem Zwirbelbart seinen 500. Wiesn-Besuch gefeiert. Am heutigen Samstag steht der 501. Rundgang an. In welches Zelt es ihn zieht, weiß der 58-Jährige noch nicht. Das weiß er nie. „Am wohlsten fühl ich mich da, wo die nettesten Leute sitzen“, sagt er. Rein kommt Fritz Eichinger überall, weil er die Ordner und die Bedienungen kennt. Die halten dem 58-Jährigen jedes Jahr ein Platzerl frei. An einem Tisch, der ihrer Meinung nach am besten zu ihm passt. „Und das hat bis jetzt auch immer wunderbar funktioniert.“

Fritz Eichinger kann sich noch ganz genau daran erinnern, wie er früher an der Hand seiner Mama über das Festgelände geschlendert ist. Heute geht er am liebsten allein. Am Abend, nach der Arbeit. „Ich hab wegen der Wiesn noch keinen einzigen Tag blau gemacht“, verrät der Spenglermeister. Ob er es wie im vergangenen Jahr wieder jeden Tag auf die Wiesn schafft? „Unwahrscheinlich“, sagt Eichinger, „schließlich stehen heuer ein paar Geburtstage an - aber zehnmal schaff ich’s bestimmt.“

Oktoberfest-Liebe auf besondere Weise: ein Tattoo bei Julia Eberl

Ihre Liebe zu München geht unter die Haut:  Julia Eberl (38) trägt die Frauenkirche, die Bayernflagge und ein Herz als Tattoo auf dem Arm. Und auch ein neues Schmuckstück hat die gebürtige Münchnerin schon in ihrem Kopf: Die Bavaria. Denn Julia Eberl liebt die Wiesn.

Ihre Highlights sind schnell aufgezählt: „Das Bier, die Musik, die Stimmung.“ Seit Teenager-Tagen verpasst Eberl kaum einen Oktoberfest-Tag. Oberste Priorität im Leben hat mittlerweile zwar Tochter Filippa (11), doch die Unternehmerin schafft auch jetzt noch um die zehn Besuche pro Wiesn. Und sie hat feste Rituale. „Einmal treffe ich mich immer mit meinem Papa im Marstallzelt-Biergarten“, erzählt sie. Da sitzen Vater und Tochter dann gemütlich, trinken ein Masserl und essen einen Schweinebraten. Weitere Lieblingszelte: Das Hacker- und das Schützenzelt. Außerdem schaut die Münchnerin immer bei den wilden Kerlen in Donald Ganslmeiers Motodrom auf der Oidn Wiesn vorbei.

Die Oide Wiesn hat es Eberl generell angetan. „Ich würde mir wünschen, dass die gesamte Wiesn wieder mehr so wird wie die Oide Wiesn.“ Julias Lieblingslied: Der Zillertaler Hochzeitsmarsch.

Video-Anleitung zur Dirndl-Schleife: rechts, links oder in der Mitte binden?

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