Münchner Start-Up erfand WiesnWatch

Aloisius verrät im Messenger, in welches Wiesn-Zelt Sie noch reinkommen

München - Glücklich ist, wer eine Reservierung hat, denn dem ist sein Wiesn-Tisch sicher. Alle anderen müssen anstehen und hoffen, dass sie noch reinkommen ins Zelt. Ein neuer Messengerdienst will helfen, ein Platzerl zu finden. Wir testen, ob das funktioniert.

Selbst bei schlechtem Wetter stehen die Menschen in Scharen vor den Zelten und hoffen, dass sie noch irgendwie an den strengen Ordern vorbei kommen. Sie legen dann ihren überzeugendsten Gesichtsausdruck auf und versuchen es mit:"Meine Freunde sind da drin." Manche sind so verzweifelt, dass sich ganze Freundeskreise vor den Türen verteilen und versuchen, sich per Telefon zu koordinieren. Bekomme ich noch einen Platz im Zelt? Antworten auf diese Frage verspricht der Messengerdienst WiesnWatch

Dabei stellt man per Facebook-Messenger eine Frage an die Seite. Die antwortet mit der Figur des Engel Aloisius und sagt, welche Zelte noch offen sind. Dahinter steckt ein ausgeklügeltes System. Da antwortet nicht etwa ein fleißiger Münchner, sondern ein sogenannter Chatbot.

Der Nutzer kann nun die Wegbeschreibung zu dem gewünschten Zelt auswählen. Zusätzlich kann der Nutzer die Anwendung ebenfalls mit Informationen füttern. Wer mitbekommt, dass ein Zelt einen Einlassstopp verhängt, kann das an Aloisius weiter geben.

Chatten mit einem Computer

Ein Chatbot ist ein System, das in der Lage ist, auf bestimmte Texte zu reagieren. Bei WiesnWatch kommuniziert das System durch den Facebook-Messenger mit den Nutzern. Wenn der Wiesn-Besucher Aloisius anschreibt, gibt das System eine zuvor programmierte Antwort wider. Darüber hinaus kann er die Informationen der Wiesn-Besucher in sein System einpflegen und so die Genauigkeit seiner Antworten anpassen.

WiesnWatch wertet also interaktiv die Angaben aller Nutzer aus. "Sobald eine gewisse Anzahl von Nutzern Informationen zu einem Zelt an uns gegeben hat, ändert das Programm die Informationen für alle ab", erklärt Julius Betzler, einer der Entwickler von WiesnWatch.

WiesnWatch hat ein Münchner Start-Up erfunden

Das Münchner Start-Up Galactic Web hat WiesnWatch ins Leben gerufen. Anfang 2015 gründeten die zwei Studienfreunde Vincent Binder (27) und Julius Betzler (28) die Software-Entwicklungsfirma.

Aber wie kommt man auf so eine Idee wie WiesnWatch? Binder und Betzler sind zwei echte Münchner Kindl. Die Idee sei aus der Not geboren, sagt Betzler. "Jeder kennt das: Man geht auf die Wiesn und telefoniert dann immer rum, welches Zelt noch rein lässt, und es dauert immer eine ganze Weile, bis man beieinander ist. Das Problem wollten wir möglichst einfach und schnell lösen. Wir haben einfach Hobby und Heimat kombiniert." Sechs Monate Vorarbeit hat das Projekt in Anspruch genommen, bis es dann so funktionierte, wie es sollte. "Am Ende war das Einpflegen der Informationen über die Zelte das Schnellste", sagt Betzler.

Falschinformationen wird vorgebeugt

Damit Aloisius auch korrekte Informationen heraus gibt, muss er erst Informationen sammeln. "Zu Beginn sind alle Zelte als offen ausgewiesen. Erst wenn eine gewisse Anzahl von Nutzern sagt, dass ein Zelt nicht mehr offen ist, nimmt Aloisius die Information auf. So soll vorgebeugt werden, dass niemand Falschinformationen an Aloisius weitergibt", sagt Betzler.

Aber es gibt auch sogenannte Super-User: Wenn ein Super-User Aloisius sagt, dass ein Zelt keine Leute mehr rein lässt, übernimmt Aloisius diese Info sofort. Einzelne Türsteher sollen als Super-User für WiesnWatch aktiv sein. Bei welchen Zelten wollte Betzler nicht sagen. Ansonsten ist Binder als Super-User mit Kollegen und Freunden jeden Tag auf der Wiesn unterwegs. Auch um WiesnWatch vorzuführen und die Leute zum Mitmachen zu animieren. 

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Und wie gut funktioniert die App auf dem Oktoberfest?

Zur Wiesn 2016 wurde die App erstmals getestet. Am Eröffnungs-Wochenende hat WiesnWatch dann noch nicht ganz so einwandfrei funktioniert, wie es verspricht. Aloisius hatte, trotz Super-User einfach noch nicht genug Informationen. Das könnte aber daran liegen, dass die Seite noch recht unbekannt ist, wurde sie doch erst für das Oktoberfest 2016 erstellt. Allerdings, innerhalb von zwei Tagen gab es mehr als 280 Likes. Mit steigender Bekanntheit wird wohl auch die Funktionalität der Seite zunehmen, vorausgesetzt die Nutzer machen mit. Fragt man Betzler nach dem Start, ist der begeistert: "Wir haben umgerechnet seit Samstag jede Minute eine Anfrage und jeder 15. Nutzer gibt ein Statusfeedback zu den Zelten, das ist richtig super."

Start-up hatte auch internationale Version der App WiesnWatch geplant

Die beiden Entwickler haben große Pläne für die Zukunft. "Der Plan ist, das System natürlich zu bewerben, aber vor allem soll es auch eine internationale Version geben, damit die WiesnWatch für alle Gäste zur Verfügung steht", sagt Betzler. Die Zukunft von WiesnWatch wird aber auch von den Nutzern mitgestaltet. "Wir haben von mehreren Nutzern Verbesserungswünsche bekommen, die wir nun versuchen in den nächsten Tagen direkt umzusetzen. Dann nennt Aloisius einem auch die Bierpreise der einzelnen Zelte. Zusätzlich soll es die Möglichkeit geben, den User zu informieren, wenn sein Lieblingszelt wieder öffnet", sagt Betzler.

Und nach der Wiesn ist für die Münchner noch lange nicht Schluss. Das System wird nicht abgeschaltet werden. Vielmehr soll es auch für andere Volksfeste benutzt werden. Im Idealfall für alle Volksfeste in Bayern. Das wird aber noch dauern. Bis dahin muss Aloisius erst einmal das Oktoberfest im Blick behalten.

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af

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