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„Mohrenkopf“-Eklat um Wiesn-Wirt: TV-Talk plötzlich nicht mehr abrufbar

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Von: Lukas Schierlinger

Günter Steinberg mit Ehefrau
Wiesn-Wirt Günter Steinberg mit Ehefrau Margot. © IMAGO/B. Lindenthaler

Folge 1 des „Hofbräu TV Wiesn Talk“ ist aus dem Netz verschwunden. Weil die Macher Statements von Oktoberfest-Wirt Günter Steinberg selbst für problematisch halten.

München - „Wir sind neu und anders“: So hatte Wirt Günter Steinberg den „Hofbräu TV Wiesn Talk“ vorab beworben. Zum Oktoberfest 2022 soll mit illustren Gästen bei mehreren Ausgaben über die Feierlichkeiten auf der Theresienwiese philosophiert werden. Hinter den Übertragungen aus dem Hofbräu-Zelt steckt die Streamingplattform The Grow, mit dessen Initiator Bernhard Schindler die Familie Steinberg freundschaftlich verbunden ist. Folge 1 des neuartigen Formats ist inzwischen aus dem Netz verschwunden. Grund sind umstrittene Aussagen des langjährigen Wiesn-Festwirts.

Oktoberfest-Talk: Wirt spricht über Mohrenköpfe für „dunkelhäutige“ Hofbräu-Mitarbeiter

Zur Talk-Premiere begrüßt Schindler, der selbst den Moderator gibt, unter anderem den CSU-Politiker Martin Neumeyer (Landrat des Landkreises Kelheim) und Kapellmeister Alois Altmann von den „Isarspatzn“. Zunächst blickt die Runde um Gastgeber Steinberg auf das zurückliegende Anstich-Wochenende zurück, bevor die Debatte rasch um den umstrittenen Party-Song „Layla“ kreist. Der Tenor mehrerer Wortbeiträge: Man solle die Wiesn-Besucher doch zu der Musik feiern lassen, die sie gerne hören möchten.

Hofbräu-Wirt Steinberg gibt keine explizite Einschätzung ab, sagt über „Layla“ nur, er kenne diese Dame nicht. Deutlicher wird das Gastro-Urgestein bei einem anderen Diskussionsthema. Nachdem sich die Gäste an der nach ihrem Dafürhalten negativen Vorberichterstattung zum Wiesn-Comeback abgearbeitet haben, nimmt Steinberg ganz bewusst den Ausdruck „Mohrenkopf“ in den Mund, als er sich zu schwarzen Mitarbeitern in seinem Betrieb äußert. Rund um das Oktoberfest war der Ausdruck in Verbindung mit der Umbenennung eines Traditionsbetriebs thematisiert worden.

TV-Talk mit Wiesn-Wirt plötzlich verschwunden: Halten Macher Aussagen für problematisch?

Steinbergs Einlassung, die tz.de kurz vor der Löschung des Beitrags festhalten konnte, lesen Sie in der Folge im Wortlaut: „Wir haben ja in unserer Küche sehr viele dunkelhäutige Menschen, die uns da helfen. Ohne die könnten wir‘s ja gar nicht machen. Und das ist so eine Spezialität von mir, dass ich jeden Tag 100 Mohrenköpfe – und ich sage jetzt bewusst Mohrenköpfe - verteile und dann bringt meine Frau auch immer zwei, drei Teller in die Küche, wo diese Herren arbeiten. (…) Und die haben eine Riesenfreude. Und einmal in der Woche gibt’s dann die weißen Mohrenköpfe. Und des is‘ dann die höchste Gaudi für die.“

Am Donnerstagvormittag war Folge 1 des „Hofbräu TV Wiesn Talk“ plötzlich nicht mehr in der The-Grow-Mediathek abrufbar. Dazu fand sich wenig später ein Instagram-Statement auf der Hofbräu-Festzelt-Seite, nachdem ein zuvor geteiltes Video zur fraglichen Talkrunde dort von vielen Usern gescholten worden war: „Seid euch sicher, dass jegliche Form von Rassismus, Sexismus und Diskriminierung bei uns im Zelt keinen Platz hat.“

Video-Reaktion: Oktoberfest-Wirt entschuldigt sich für „Mohrenkopf“-Aussagen

Am Nachmittag folgte auf dem offiziellen Instagram-Account schließlich eine explizite Reaktion. „Das Wort ‚Mohrenkopf‘ ist natürlich nicht richtig“, sagt Moderator Schindler in einem Video, Wirt Steinberg ergänzt: „Ich möchte mich bei allen, die sich auf den Schlips getreten fühlen, ganz herzlich entschuldigen. Mir tut das sehr leid; ein Wort (Mohrenkopf, d.Red.), das mir sicher nicht mehr über die Lippen kommen wird.“

Günter Steinberg betreibt das Hofbräu-Zelt seit dem Jahr 1980 als Festwirt, inzwischen teilt er sich die Verantwortung mit seinen beiden Kindern. Weil er zwischen 2014 und 2018 je 50 Wiesn-Marken bei der Polizeiinspektion in Grünwald abgegeben hatte, bekam Steinberg Ärger mit der Justiz, wurde 2022 allerdings freigesprochen.