"Das beleidigt die Intelligenz der Leser"

Flüchtlings-Scherz zur Wiesn: Geht "Der Postillon" da zu weit?

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München - Die Website ''Der Postillon'' erreicht mit seinen satirischen Beiträgen eine große Leserschaft. Doch darf Satire wirklich jedes Thema in einen lustigen und nicht mehr ernstzunehmenden Kontext stellen?

Auch vor der aktuellen Flüchtlingskrise macht das Online-Satire-Portal Der Postillon nicht halt. ''München: Zeltstadt auf Theresienwiese soll 6 Millionen Realitäts­flüchtlingen Asyl bieten'' ist die Überschrift der Meldung, die am Donnerstag auf Facebook und auf der Website veröffentlicht wurde.

Bravo! So viel Engagement hätte man München gar nicht zugetraut!Neuer Artikel (Wirtschaft)

Posted by Der Postillon on Donnerstag, 10. September 2015

Geht es nach dem Postillon-Beitrag, wird die Wiesn heuer einzig und allein zum Zweck der Realitätsflüchtlinge aufgebaut. ''Nun lässt die bayerische Landeshauptstadt mitten auf der Theresienwiese ein Auffanglanger errichten, um den erwarteten Zustrom von sechs Millionen Menschen in den Griff zu bekommen,(...)''. Vor allem die Kommentare der fiktiven Figur Alois Senftenberger bringt viele auf die Palme: ''Mehr als ein paar hundert Euros, ein Päckchen Kondome und ein Smartphone werden die meisten nicht haben''.

Darf Satire alles?

Doch darf Satire wirklich alles? Das Leid der Flüchtlinge ist in München derzeit allgegenwärtig. Ist es da nicht völlig daneben, einen derartigen Scherzartikel zu verfassen? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister der User im Netz. Die einen meinen, dass das Thema zu ernst ist, um es auf eine satirische Weise darzustellen. Andere finden es okay und reagieren mit mindestens genauso ironischen Kommentaren.

Sylvia D. etwa kommentiert unter dem Post vom Postillon auf Facebook: ''Oh Postillon, was stellst du mit den armen Bayern an!? Erschreck sie doch nicht so!!!! Deine ironischen Posts sind ja immer sehr gut, aber nicht jeder hier wird merken, dass das ein Fake ist!!''

Und das ist oft der Fall, wie ein weiterer Kommentar von User Andri N. zeigt: ''Irgendwie klasse von den Bayern, aber auch ein ganz schöner Aufriss, dafür dass die Menschen schon wieder das Lager nach sechzehn Tagen verlassen müssen!''

User sauer über die Themenwahl

Er ist bei weitem nicht der einzige, der diese Satire des Postillon ein wenig zu ernst genommen hat. Aber bei vielen Leuten, die den Witz an dem Beitrag verstanden haben, hat sich Ärger über die Themenwahl für diese Satire des Postillons angestaut.

Massimo M. kommentiert: ''Das Oktoberfest mit dem Asylthema zu verknüpfen, ist unterste Schublade. Ich hatte eure News aboniert, weil da intelligent geschriebener Sarkassmus zu aktuellen Themen kam. Jetzt beleidigt ihr die Intelligenz vieler Leser mit diesem Müll.''

Genauso ist auch Reinhart H. nicht über die Wahl des Themas glücklich: Lieber Postillon, ich liebe gute Satire, aber die Bemerkung, die Flüchtlinge kämen aus 'aus Langeweile oder Abenteuerlust, andere einfach nur aus Durst' geht weit unter die Gürtellinie und ist keine Satire mehr. Etwas mehr Einfühlungsvermögen hätte ich euch schon zugetraut.''

mpa

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