Vor Stadtratsversammlung

Roiderer: „Wir jammern nicht, weil wir gutes Geld verdienen“

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Wirte-Sprecher Toni Roiderer. 

Wirte-Sprecher Toni Roiderer gibt sich vor der Stadtratsversammmlung gelassen, die Pläne von Wiesn-Chef Josef Schmid missfallen ihm aber nach wie vor. 

München - Toni Roiderer ist an diesem Dienstagmorgen etwas außer Atem. Nicht wegen den anstehenden Entscheidungen zur Wiesn 2017. Nein, der Wiesn-Wirtesprecher dreht gerade seine Runde mit dem Fahrrad, als ihn der Reporter telefonisch erreichen will. Er melde sich gleich, sagt Roiderer. 

Gesagt, getan. Der Wirtesprecher antwortet in aller Bierruhe auf die Fragen. Er klingt gelassen: „Die Kosten für die Sicherheit fallen an. Wir bezahlen sie und jammern nicht, weil wir gutes Geld verdienen. Sicherheit brauchen alle.“ Punktum. Natürlich hat Roiderer schon seine Vorstellungen, auf welchem Wege die Refinanzierung erfolgen sollte. Dass er dabei mit Bürgermeister Josef Schmid (CSU) über Kreuz liegt, ist kein Geheimnis. Mit dem städtischen Wirtschaftsreferenten focht er einen weitgehend medial ausgetragenen Streit aus. Da fielen teils derbe Worte. Aber gut, das Ganze hatte eher den Charakter eines Komödienstadels auf Biertischniveau. Schnee von gestern.

Bierpreisbremse und Umsatzpacht schmecken ihm nicht

Inhaltlich aber hat sich Roiderer als Vertreter der Wirte festgelegt. Anstelle der Umsatzpacht, die eher einem Stochern im Nebel gleicht, wäre ihm ein fixer Festpachtbetrag als klare Hausnummer lieber gewesen. Die geplante Bierpreisbremse schmeckt den Wiesn-Gastronomen auch nicht. Falls sich der Stadtrat dagegen aussprechen würde, wäre das „eine Entscheidung der Vernunft“, meint Roiderer. Und dann? Würde der Masspreis nicht drastisch ansteigen, weil die Wirte ihren höheren Kostenaufwand refinanzieren wollen? Der 72-Jährige widerspricht energisch: „Auf gar keinen Fall. Die Wirte sind doch nicht blöd.“ Sie würden stets „qualitäts- und preisbewusst“ handeln. Aber die 11-Euro-Grenze für die Mass würde vermutlich schon fallen? „Keine Ahnung“, sagt Roiderer dazu.

Warum sollen nur Wirte für die Sicherheit zahlen?

Nicht nachvollziehen kann er, dass bei der Refinanzierung der erhöhten Sicherheitskosten nur die Wirte zur Kasse gebeten werden sollen. Zumindest die großen Schausteller hätte man auch mit ins Boot nehmen sollen, findet Roiderer. Dem Vorschlag eines dauerhaften Zusatztags kann der Gastronom wenig abgewinnen. Roiderer sagt: „Drei Viertel der Wirte wollen den gar nicht.“ Der Großteil des Personals nehme sich exakt 14 Tage Urlaub. Außerdem meint Roiderer: „16 Tage Wiesn reicht. Das hat bislang gut funktioniert.“ Über die von Schmid geplanten neuen Reservierungsregelungen habe er sich ehrlich gesagt noch gar keine Gedanken gemacht, erklärt der 72-Jährige. Eines allerdings ärgert den Betreiber des Hacker-Zeltes nach wie vor. Dass im Vorfeld der geplanten Neuerungen nicht mit den Wirten als Betroffenen gesprochen worden sei, habe er in seinen 28 Jahren als Festwirt noch nicht erlebt.

Am morgigen Mittwoch wird Toni Roiderer mit vielen seiner Kollegen die Debatte live von der Rathaus-Tribüne in aller Bierruhe mitverfolgen. Mal sehen, ob danach sein Temperament überschäumt oder ob er ein Prosit der Gemütlichkeit anstimmt.

Worum geht es am Mittwoch bei der Stadtratsvollversammlung? Wir haben hier nochmal alles Wissenswerte zu Bierpreisbremse, Umsatzpacht und Münchner Montag zusammengefasst.   

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