Der harte Job einer Oktoberfest-Ärztin

Wiesn-Bedienung stürzt in acht Mass

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Immer im Stress: Notfallmedizinerin Susanne Herberger mit einem Patienten in der Banane in der Wiesn-Sanitätsstation.

München - Susanne Herberger ist Vollprofi. Im Wiesn-Wahnsinn gelangt die Ärztin dennoch mal an ihr Limit. Einer ihrer jüngsten Fälle: Eine Bedienung, die in ihre acht Mass gefallen ist.

Susanne Herberger (40) steht der Schweiß auf der Stirn. Es ist Donnerstagabend 20.30 Uhr, der Tag vorm langen Wochenende. Die Notfallmedizinerin hat sich gerade in der Wiesn-Sanitätsstation um eine Frau gekümmert, die im Streit um einen Mann von der Konkurrentin den Masskrug ins Gesicht bekommen hat. Kurz darauf kommt eine blutüberströmte Bedienung ins Zelt: Sie ist im Getümmel in ihre acht Mass gefallen und hat sich tiefe Fleischwunden zugezogen.

„Ab dem Reservierungswechsel um 17 Uhr geht es hier rund“, sagt Herberger, die heuer zum ersten Mal dabei ist. „An einem Freitagabend sehe ich etwa 50 Alkoholvergiftungen und helfe bei 15 chirurgischen Fällen wie Nasenfrakturen oder Kopfplatzwunden.“

Die Ärztin ist Vollprofi – im Wiesn-Wahnsinn gelangt sie dennoch mal an ihr Limit. „Manchmal geht es hier zu wie bei Emergency Room im Fernsehen.“ An eine Situation erinnert sich die Münchnerin besonders: „Ich hatte eine junge Frau in Behandlung, die eine akute Blutung im Bauch hatte – und gleichzeitig hat ein betrunkener Patient angefangen zu randalieren. Der musste in Schach gehalten werden, bis die Polizei kam. Da rennt man im Kreis …“ Einmal habe sie drei heikle Fälle gleichzeitig versorgt: „Einer hatte einen Krampfanfall, einer Herzbeschwerden und einer eine offene Oberarmfraktur.“

Nicht selten fungiert die Ärztin auch als Seelentrösterin. „Wenn die Gäste betrunken sind, kommen oft Probleme hoch. Sei es wegen Liebeskummer, Einsamkeit oder einem zurückliegenden Trauerfall.“ Herberger bereut ihre Entscheidung nicht, Urlaub zu nehmen und den Wiesn-Dienst anzutreten: „Ich lerne hier viel. Von einer Sekunde auf die andere kann es hier zum Großschadensfall kommen. Ich bilde auch Notärzte weiter. Jetzt kann ich meine Vorträge mit mehr Leben füllen.“

Nächstes Jahr wird sie wieder dabei sein: „Das war nicht das letzte Mal. Ich bin mit dem Wiesnvirus infiziert.“

Christina Meyer, Nina Bautz

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